EMS-Training: PROs & CONs

Vor- und Nachteile des 20-Minuten-Versprechens

„Sie können mit 20 Minuten EMS-Training so viel erreichen wie sonst mit 15 Stunden herkömmlichem Krafttraining im Fitnessstudio,” verspricht die Website eines Berliner “EMS-Studios”. Und wir erfahren auch, dass die Elektromyostimulation nicht nur das klassische Gym-Training ersetzen, sondern auch zahlreiche gesundheitliche Probleme lösen kann. Das klingt zwar verlockend, aber was spricht nun wirklich für und was gegen EMS?

„Sie können mit 20 Minuten EMS-Training so viel erreichen wie sonst mit 15 Stunden herkömmlichem Krafttraining im Fitnessstudio,“ verspricht die Website eines Berliner „EMS-Test-Studios“. Und wir erfahren auch, dass die Elektromyostimulation eine enorm vielseitige Wunderwaffe  im Kampf gegen „weibliche Problemzonen“ ist: „EMS-Training ist ideal zum  Abnehmen, für Bauch-Beine-Po, bei der Schwangerschaftsrückbildung oder bei Rückenschmerzen.“ Das klingt zwar zunächst verlockend, aber was versteckt sich in diesem Rundum-Sorglos-Paket wirklich?

(GK-)EMS-Training – Basics

Im Alltag werden unsere Muskeln durch körpereigene Reize aktiviert, die im physikalischen Sinn bereits elektrischer Natur sind. Die Elektrostimulation mit Oberflächenelektroden über die Haut bewirkt eine gezielte Verstärkung dieser körpereigenen elektrischen Reize. Sowohl in speziellen EMS-Studios als auch in Heimtrainer-Form verbreitet sich aktuell das so genannte GK-EMS, also das Ganzkörper-Elektromyostimulations-Training, mit der viele Muskelgruppen gleichzeitig angesprochen werden. Die Einsatzbereiche reichen von Muskelentspannung, über Ausdauer- und Krafttraining bis zur Rehabilitation, wobei die Muskulatur – je nach individueller Zielsetzung und Konstitution – mit Frequenzen zwischen 5–100 Hz stimuliert wird.

EMS-Training – PROs

Für viele ist die angenommene Zeitersparnis das wichtigste Argument für EMS. Egal, ob das Versprechen lautet „20 Minuten EMS statt 15 Stunden Krafttraining“ oder „nur noch ein Mal im Monat 20 Minuten trainieren“ – fast alle EMS-Studios suggerieren, durch Elektrostimulation könnten sportliche Aktivitäten auf ein Minimum reduziert werden. Die Bandbreite der Werbeversprechen ist groß: von schneller und nachhaltiger Gewichts- und Fettreduktion, über die Lösung von Muskelverspannungen und den Ausgleich muskulärer Dysbalancen sowie den Muskelaufbau und die Leistungssteigerung bis hin zu Schmerzlinderung bei Rücken- und Migräneleiden.

…und CONs

Angezweifelt wird EMS vor allem, weil elektrische Ströme auf den menschlichen Körper nicht nur positive Auswirkungen haben: Unter bestimmten Bedingungen (z. B. eine „zu gute“ elektrische Leitfähigkeit) können schon kleine Spannungen (unter 40 Volt) zu tödlichen Verletzungen führen. So besteht die Gefahr, dass körpereigene elektrische Signale der Nerven durch die externen elektrischen Signale gestört werden, wodurch z. B. Herzklammerflimmern ausgelöst werden kann.

EMS – im Visier der Sportwissenschaft

EMS-Training wird bereits seit den 1970ern auf seine Einsatztauglichkeit im Reha-Sport und zur Leistungssteigerung bei SpitzensportlerInnen untersucht. Nicht zuletzt durch die Verbreitung in Heimtrainer-Form sind in jüngerer Zeit auch zahlreiche Untersuchungen im Hinblick auf seine Einsatzbereiche im Breitensport durchgeführt worden. Bei der Abwägung der PROs und CONs gehen die Meinungen in Fachkreisen allerdings oft weit auseinander. Dennoch besteht mittlerweile ein recht breiter Konsens darüber, dass GK-EMS-Training grundsätzlich eine sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichem Krafttraining darstellt und insbesondere beim gezielten Muskelwiederaufbau nach Verletzungen effizient eingesetzt werden kann.

Nicht zuletzt…

…wird GK-EMS-Training auch als guter Türöffner für den (Wieder-)Einstieg in sportliche Aktivitäten gewertet. Gerade Übergewichtige könnten durch EMS – kombiniert mit Diätberatung und Ausdauersport – schnelle Erfolge erzielen.