Gesund älter werden und jung bleiben

E-Interview mit Ernährungsexpertin Dr. Flemmer

Gibt es Nährstoffe für die „ewige Jugend“? Oder „Super-Food“ gegen Demenz? In ihrem frisch erschienenen Ratgeber “Gesunde Ernährung ab 60” verrät Diplom-Biologin und Ernährungswissenschaftlerin Dr. Andrea Flemmer, was der reifere Körper benötigt. Im E-Interview gibt die Autorin praktische Ernährungstipps und erläutert die Hintergründe ihres “Anti-Demenz-Alphabets”.

AndreaFlemmerDr. Andrea Flemmer…
…ist Diplom-Biologin und Ernährungswissenschaftlerin. Sie hat zahlreiche Ratgeber in den Themenbereichen Medizin, alternative Therapien, Umweltschutz und Ernährung veröffentlicht, u. a. „Schilddrüsenprobleme natürlich behandeln“ (09/2014), „Bio-Lebensmittel: Warum sie wirklich gesünder sind“ (04/2014) und „Demenz natürlich behandeln“ (01/2012).
Zu den Ratgebern von Dr. Flemmer

Gesunde Ernährung von 60 bis 80+

Frau Dr. Flemmer, gerade ist Ihr neuer Ratgeber “Gesunde Ernährung ab 60” erschienen. Warum wenden Sie sich an “Best Ager”, obwohl aktuelle Studien nahelegen, dass sich diese Altersgruppe ohnehin relativ gut ernährt?

Weil viele nicht wissen, worauf sie in diesem Alter achten müssen und dabei Wichtiges übersehen, was ihnen Beschwerden machen könnte.

Älter werden, aber gesund, fit, leistungsfähig und jung bleiben, versprechen Ihre Untertitel. In welchem Zeitraum sind diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen? Ist Ihr Buch überhaupt noch für die Leserschaft 80+ geeignet?

Für die Leserschaft 80+ sehr wohl. Allein die Behauptung, es gebe 120- und 130-Jährige Japaner, hat sich als Betrug herausgestellt. Man fand nur die Verwandten, die die Rente eingestrichen haben…

Veränderungen im Alter aus ernährungswissenschaftlicher Sicht

Zu den markanten Veränderungen im Alter zählen, dass der Grundumsatz sinkt und der Vitaminbedarf steigt. Was sind – aus ernährungswissenschaftlicher Sicht – weitere zentrale Faktoren? Und worin liegen geschlechtsspezifische Unterschiede?

Vieles gleicht sich im Alter an: Frauen benötigen nicht mehr so viel Eisen – dann ist der Bedarf zwischen Männern und Frauen gleich. Außerdem ist Vitamin B12 für beide ein Problemvitamin, und Jodmangel beeinträchtigt ebenfalls beide Geschlechter.

Auf welchen Wandel im Alter und seine Auswirkungen auf das Ernährungsverhalten zielen Sie mit Ihrem Buch besonders ab?

Die Schilddrüse muss beobachtet werden, denn sie macht dann gerne Probleme. Das heißt, auf Jod muss man achten. Außerdem ist es jetzt besonders wichtig, das Gewicht im Blick zu behalten. Dazu gibt es wertvolle Tipps und Tricks. Vollwertige, das heißt: vitamin- und mineralstoffreiche Nahrung ist jetzt entscheidend.

TYPISCHE ANZEICHEN EINER SCHILDDRÜSEN-…
…Unterfunkion …Überfunktion
– Vergesslichkeit – unregelmäßiger Puls
– Müdigkeit und Abgeschlagenheit – Herzrasen oder Herzstolpern
– verminderte Leistungsfähigkeit – Kurzatmigkeit
– depressive Verstimmungen – Wassereinlagerung in den Beinen
– Konzentrationsschwäche – Gewichtsverlust
– Kälteempfindlichkeit – Schwäche
– Gewichtszunahme – Appetitlosigkeit
– kühle und trockene Haut
– Verstopfung

Quelle: Dr. Andrea Flemmer: Gesunde Ernährung ab 60 (2015)

Die Rolle der Ernährung bei Demenz-Erkrankungen

Das Finale Ihres Buches bildet ein “Anti-Demenz-Alphabet”. Wie schätzen Sie die Rolle der Ernährung für die Entwicklung von Demenz-Erkrankungen in Relation zu anderen Faktoren – wie z. B. Bewegungsmangel – ein?

Na ja: hier zahlt es sich am meisten aus, wenn man sich immer schon gesund ernährt hat. In meiner Lieblingsserie, die Gilmore-Girls hat sich die Hauptdarstellerin geweigert gesund zu essen. „Lass es und stirb mit 60“, war dann der Kommentar. Das dürfte zutreffen.

Wie ist der Stand der Forschung: Welche Lebensmittel begünstigen Demenz (inwiefern)? Und welche verzögern den Krankheitsverlauf?

Da Demenzkranke in der Regel älter sind, zählen sie – selbst wenn sie sich im Freien aufhalten – zur wesentlichen Risikogruppe für eine Vitamin D-Unterversorgung. Dies deshalb, da die Vitamin D-Produktion in der Haut alter Menschen nur noch 25-50% der Vitamin D-Synthese junger Erwachsener beträgt. Außerdem können ein Nachlassen der Nierenfunktion und die entsprechenden Arzneimitteleinnahmen einen Mangel begünstigen. Vitamin D kann in gewissem Umfang vor Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskelschwäche, Krebs und Depressionen schützen – das hilft auch Demenzkranken. Ganz allgemein sollte man bei Demenzkranken auf eine ausgewogene, vitamin- und fischölreiche Ernährung mit reichlich Flüssigkeit achten.

“Super-Food” und Nährstoffe mit Schlüsselrolle

Folsäure, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren – einer ganzen Reihe von Nährstoffen wird von unterschiedlichen Seiten eine besondere Bedeutung für die Demenz-Prävention beigemessen. Welche Nährstoffe haben für Sie (warum) eine Schlüsselrolle?

Folsäure nehmen alle – egal welche Altersstufe – zu wenig auf. Vitamin D habe ich gerade beschrieben – wird vor allem im Alter zum Problem und Omega-3-Fettsäuren spricht man eine vorbeugende Wirkung zu. Mehr als sich gesund zu ernähren – möglichst ein Leben lang – kann man kaum tun, um nicht an Demenz zu erkranken.

Gibt es Lebensmittel, die aus Ihrer Sicht in die Kategorie “Super-Food” gegen Demenz gehören? Und welche Nahrungsergänzungsmittel würden Sie ggf. präventiv empfehlen?

Super-Food gegen Demenz ist Gemüse und Obst, dann etwas Fisch. Fleisch ist definitiv nicht zur Vorbeugung geeignet. Nahrungsergänzungsmittel kann ich eigentlich gar nicht empfehlen, allenfalls Omega-3-Fettsäuren und hier diejenigen, die nicht in Gelatinekapseln verpackt sind, sonst muss man dauernd aufstoßen.

In Ihrem Ratgeber verraten Sie 11 Tipps, um das biologische Alter zu reduzieren. Was sind Ihre drei persönlichen Favoriten

Nicht zu rauchen, auf das Gewicht achten – am besten mit wenig Zucker – und vollwertig essen. Gesunde Zuckeralternativen finden Sie in meinem Buch Echt süß! Das hilft.

Vielen Dank für das Interview!

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