Interview: Extremsportler Michael Griesmeier

„Ich bin im Prinzip seit 2009 Extremsportler. Was auch immer dieses Wort beinhaltet. Wer z.B. 150 km Nonstop-Läufe oder einen 6h Treppenlauf mit 30kg Rucksack in diese Kategorie setzen will, nun gut. Mir ging und geht es immer nur darum zu zeigen, was “normale” Menschen, also keine von Kindheit an gedrillten Profileistungsportler, mit einer tiereiweißfreien Ernährung und ´nem riesigen Willen körperlich leisten können.“

buch_der-wille-entscheidet2014Michael Griesmeier, Buchautor, Extremsportler und Weltrekordinhaber
„Wir Menschen haben die Pflicht verantwortungsvoll und äußerst achtsam mit unserer Mutter Erde umzugehen. Alles ist untrennbar miteinander verbunden. Ob nun Körper und Geist oder Mensch und Natur. Lernen wir wieder ein Teil dieses wunderbaren Ganzen zu werden.“
www.michaelgriesmeier.de

Michael, seit wann machst du Extremsport?


Ich bin im Prinzip seit 2009 Extremsportler. Was auch immer dieses Wort beinhaltet. Wer z.B. 150 km Nonstop-Läufe oder einen 6h Treppenlauf mit 30kg Rucksack in diese Kategorie setzen will, nun gut. Mir ging und geht es immer nur darum zu zeigen, was „normale“ Menschen, also keine von Kindheit an gedrillten Profileistungsportler, mit einer tiereiweißfreien Ernährung und ´nem riesigen Willen körperlich leisten können.

Wodurch und wann bist du zum Veganer geworden und wie hat dein engeres soziales Umfeld darauf reagiert?


2011 habe ich diese Ernährungs-/Lebensform im Rahmen meiner Vorbereitung auf meinen Weltrekord (Anm. Red.: 6h Treppenlauf mit 30kg Rucksack) gewählt und diese auch propagiert. Erst einmal… Mein Umfel hat darauf teils ungläubig und kopfscchüttelnd belustigt reagiert. Nach dem Motto: Jetzt läuft der nicht nur wie Forrest Gump, nein, jetzt isst der auch nichts „Vernünftiges“ mehr.

Welchen Vorurteilen zum Thema „Veganismus und Sport“ begegnest du häufiger?


Da ich eher eine Art „Lone-Ranger“ bin, kann ich dazu wenig sagen. Im Gegensatz zu einigen anderen „Promis“, bin ich keiner, der sich und sein Tun bei Massenveranstaltungen propagiert. Wenn, dann eher selten und neuerdings auch ohne mich noch als vegan zu bezeichnen. Ich denke, dass das meine private Sache ist, und ich will nicht gerne in irgendwelche Schubladen gesteckt werden. Für viele heißt ja vegan = nie wieder Omas Kekse oder ´ne Scheibe Käse. Darauf habe ich keinen Bock. Diesen Extremismus sollen gerne die ausführen, für die es ein Lebensinhalt ist.

Wenn nicht „vegan“, wie würdest du deine Ernährung heute bezeichnen?

Ich versuche, mich möglichst frisch, unbehandelt, aus heimischen Quellen und tiereiweißfrei zu ernähren. Aber ich verschmähe auch eine Butterstulle nicht… hin und wieder. Verantwortung heißt für mich außerdem, wenig Fertigprodukte, keine chemisch behandelten Seifen, Deos o. ä. zu benutzen. Auch Leitungswasser zu trinken, Heimisches und Gebrauchtes zu kaufen, Dinge nicht wegzuwerfen, sondern zu tauschen oder zu verschenken/verkaufen. Keine Tiere im Haushalt gefangen zu halten, keine Zoos mit meinen Eintrittsgeldern zu finanzieren usw.!
Sorry für´s Abschweifen…. :-)

Hast du dich bei deiner Ernährungsumstellung beraten lassen?


Ich lasse mich nicht beraten, weil es niemanden gibt, der etwas wirklich weiß. Ich habe einfach alles Tierische weggelassen und überlegt, was kann ich essen, um satt und leistungsfähig zu sein. Ich glaube nicht daran, dass mir andere sagen können, was ich brauche, um „gesund“ zu sein oder zu bleiben. Meiner Meinung nach findet ein Mangel nur im Kopf statt, und wir Menschen wissen so unbedeutend wenig über die hochkomplexen Abläufe in unserer Maschine, da höre ich lieber auf mein Bauchgefühl. Fazit ist: Wer weitestgehend natürlich isst (d. h. rohpflanzlich und unbehandelt), sich regelmäßig bewegt, seinem Geist und Körper vertraut, der macht ´ne Menge richtig.

Was ist dir bei deiner Ernährungsumstellung zunächst schwergefallen (z. B. Verzicht auf Lieblingsgerichte oder bestimmte Supplements)?


Da ich aus ethischen Gründen meine Ernährung umgestellt habe, fiel es mir verhältnismäßig leicht, auf alte „Muster“ zu verzichten. Und wenn ich supplimentiere, dann nur noch mit einem Hanfsamen-Eiweißpulver. Mit diesem 100%tig natürlichen Produkt habe ich die besten Fortschritte gemacht.

„Somatische Intelligenz“, Essen worauf man Lust hat, geht das bei der Kombination Leistungssport und Veganismus überhaupt?


Bei mir klappt es ganz gut. Ich lebe ja auch nicht vom „Leistungssport“, im Gegenteil, ich gehe normal arbeiten, habe eine Familie usw.. Wenn ich dann mal Lust habe auf was „Extrem-Sportliches“, dann gucke ich, was mein Gefühl mir sagt und esse das halt dann. Jetzt, wo ich eher ein ganz „normales“ Familienleben führe, da esse ich auch gerne mal viel Süsses, auch aus dem Supermarkt oder ein Butterbrot mit ´ner Scheibe Käse und mal´n schönes Stück Kuchen. Für mich steht im Moment im Vordergrund, dass ich keine Tiere esse, also eher „vegetarisch“ lebe. Das mag für viele ein Verrat an der veganen Lebensweise sein, aber das muss doch  jeder für sich entscheiden und sollte nicht darauf gucken, was andere Moralapostel davon halten.

Inwiefern profitierst du von der wachsenden vegangen (Sportler-)Community?


Ich zähle mich ja nicht mehr zu den „Veganern“, sondern zu den Menschen, da ich auch gelernt habe, dass es kein Schwarz und Weiß gibt. Da ist auch immer jede Menge Grau. Ich führe mein Leben so, wie ich es kann und für gut heiße, mit allen vermeintlichen Unzulänglichkeiten. Das bin ich – und das ist auch gut so. Ich möchte nicht irgendjemandem gefallen, außer natürlich meiner Familie und die kommt gut mit meiner Lebensweise klar. Alles was mit meinen sportlichen Aktionen gemacht habe, diente einzig und allein dem Zweck, den Menschen zu zeigen, was man auch ohne tierisches Eiweiß erreichen kann und nicht dazu, „berühmt“ oder reich zu werden. Da gibt es wie gesagt andere, die das viiiiel besser können.

Wie sieht dein Trainings-, wie dein Ernährungsprogramm aus?


Es sieht so aus, dass ich, wenn ich gerade nichts sportlich Dolles geplant habe, manchmal auch nur ein bis zweimal die Woche Krafttraining mache. Und ernährungsmäßig esse ich das, worauf ich Lust habe. Ich bewege mich viel im Wald, gehe wandern und atme einfach Leben in seiner Ursprungsform.

Hat(te) die Ernährungsumstellung Einfluss auf deine körperliche Fitness bzw. Ihr physisches Leistungsvermögen?


Na klar, ich bin leistungsmäßig geradezu explodiert. Das lag hauptsächlich daran, dass mein Körper wesentlich schneller regenerieren konnte ohne dieses ganzen Leichenteile im Darmtrakt.

Was gefällt dir am besten an deinem vegetarischen, was an deinem sportlichen Lebensstil? Und gibt’s Momente, in denen du an diesen beiden Pfeilern in deinem Leben zweifelst?


Ich führe augenblicklich den Lebensstil, den ich kann und will. Zweifel gab es, und daher hat Extremsport bei mir gerade nicht die höchste Priorität. Bis 2013 war ich ja bei der Berliner Polizei und allein für mich unterwegs. Nun lebe ich mit meiner Lebensgefährtin und ihren Kindern in Niedersachsen, also muss ich mein Leben neu ordnen. Keinen gutbezahlten Polizeijob mehr zu haben, mit dieser riesigen finanziellen Sicherheit, ist schon nicht einfach. Aber ich habe ja dadurch auch sehr viel gewonnen, z.B. darf ich jetzt auf dem Lande leben, in einer sauberen Umgebung, ohne alltägliche Gewalt und Umweltbelastungen wie Smog und Krach. Ich muss auch keine Nachtschichten mehr schieben. Das ist schon toll und das Wichtigste: Ich werde gebraucht und geliebt.

Welche Tipps hast du für andere Sportler, die mit dem Gedanken spielen, auch vegan oder vegetarisch zu leben?


Auf jeden Fall machen und nicht so sehr denken „wie kann ich Altes ersetzen, um leistungsfähig zu bleiben“. Stattdessen einfach mal mein Buch „Der Wille entscheidet“ als Inspiration nutzen und loslegen. Ob nun im extremen Ausdauerbereich oder im Bodybuilding, alles ist wirklich möglich. Ich habe es ja bewiesen. Ach ja: Und immer bei sich bleiben! Ich habe anfangs den Fehler gemacht, mich zu sehr mit allem unter Druck zu setzen. Einfach Zeit geben für die eigene Entwicklung – und auch aus vermeintlichen Niederlagen wieder gestärkt und motiviert als persönlicher Sieger emporsteigen. Der Wille entscheidet und jeder hat die Chance, das zu sein, was er schon immer sein wollte!

Vielen Dank für das Interview!

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