Interview mit Prof. Dr. Holger Krakowski-Roosen

buch_ funktionelles-training2014„Der Leser lernt nicht nur Übungen kennen, sondern den Charakter von funktionellem Training. Er weiß nach welchen Schema die Übungen zu Stande kommen und wie sie zweckmäßig modifiziert werden können. Dieses Buch kann somit unter ganz vielen verschiedenen Weihnachtsbäumen liegen, ob Familienhaushalt oder Single, ob Alt oder Jung, ob Fachmann oder Laie. Es kann einen kurzfristigen Bedarf stillen, um z.B. überflüssige Pfunde vor dem nächsten Frühjahr abzutrainieren, oder auch als langfristiger Trainingsleitfaden im Buchregal eines Fußballvereinsheims stehen. Ich bin mir sicher, dass kein anderes Buch diesen hohen Anspruch erfüllen kann.“

Gerade ist Ihr Buch „Funktionelles Training – Das All-in-one-Training“ erschienen. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Mehrwerte des funktionellen Trainings?

Traditionell wird im Training nur ein konditioneller Faktor angesprochen: Man macht Ausdauersport oder geht ins Fitnessstudio zum Krafttraining, man macht Stretching oder Koordinationstraining. Funktionelles Training adressiert zur selben Zeit immer alle konditionellen Faktoren gemeinsam. Idealerweise sind die Übungen „mitwachsend“, d.h. es werden Grundformen erlernt (was sehr leicht ist) und mit zunehmender Übung werden die Einzelübungen miteinander kombiniert. Damit besitzt funktionelles Training auch ein Höchstmaß an Effizienz, man spart also Zeit schon während des Trainings, insbesondere wenn man verschiedene konditionelle Faktoren trainieren will.

Wie kam’s zum Wandel Ihres Buch-Untertitels von “Schnelligkeit – Kraft – Ausdauer – Koordination” zu “Das All-in-one-Training”?

Der erste Titel hätte korrekterweise geheißen „Schnelligkeit – Kraft – Ausdauer – Koordination – Beweglichkeit“, da es 5 konditionelle Faktoren gibt und nicht vier. Irgendwo ist bei der Titelfindung der fünfte Faktor verlorengegangen, nämlich Beweglichkeit, evtl. weil ich den Begriff der Flexibilität anstatt Beweglichkeit bevorzugt hätte. So war aber dann dieser Begriff plötzlich weg, während das Buch schon vorangekündigt wurde. Der einzige Begriff der meines Erachtens weggelassen werden könnte, wäre aber der Begriff der Schnelligkeit, da er von all diesen Faktoren eher eine Kombination darstellt. Damit verlasse ich zwar die sportwissenschaftliche Lehrmeinung, die aber in meinen Augen an dieser Stelle ausschließlich tradiert ist, ohne tatsächlich den Begriff der Schnelligkeit physiologisch an der Muskelzelle bzw. dem gesamten Körper wirklich separat abbilden zu können. Daher habe ich als Untertitel den Begriff des All-in-One-Trainings kreiert, da dieser diese eventuell etwas zu sophistische Frage unbeachtet lässt.

Ist der “All-in-one-Ansatz” nicht auch im Sport so unrealistisch wie die eierlegende Wollmilchsau in der Natur? ; )

Unabhängig davon ob es nun vier oder fünf Faktoren sind, sie sind alle gleichsam repräsentiert. Da gleichzeitig das funktionelle Training keinen der Begriffe wirklich bevorzugt und allein die Übungsauswahl und -durchführung darüber entscheidet, ob und – wenn ja – welcher der konditionellen Faktoren bevorzugt adressiert wird, war dieser Begriff genau richtig. Dabei war mir zwar bewusst, dass der „ganzheitliche“ Ansatz heute überstrapaziert wird, aber während ich am beworbenen Joghurt und dem ganzheitlichen Shampoo tatsächlich nie einen wirklich ganzheitlichen Ansatz erkennen kann, so empfinde ich das in dem Buch beschriebene funktionelle Training als extrem „ganzheitlich“, da sämtliche Faktoren der körperlichen Leistungsfähigkeit mit den beschriebenen Übungen tatsächlich angesprochen werden können.

Seit wann befassen Sie sich auf theoretischer Ebene mit funktionellem Training als Trainingsmethode? Und wann haben Sie die Methode das erste Mal selbst angewendet?

Ich arbeite wissenschaftlich seit Ende der 90er Jahre trainingsmethodisch. Zuvor habe ich Erfahrungen als Badmintontrainer gesammelt und auch dort schon immer eine Kombination aus den verschiedenen konditionellen Faktoren bevorzugt: Ausdauer, Kraft und Koordination besser auf dem Spielfeld als nacheinander beim Waldlauf, im Kraftraum und auf dem Badmintoncourt. Anfang der 90er Jahre habe ich aber nicht den Begriff „funktionelles Training“ verwendet (gekannt), sondern eher die Vorteile eines solch ganzheitlichen Ansatzes verstanden und im Training umgesetzt. Man sollte aber jede Methode bewusst einsetzen und auswählen, denn wie auch im Buch beschrieben, sind ja ein Waldlauf oder ein Training im Kraftraum nicht „falsch“. Überhaupt versucht das Buch nicht zu dogmatisieren, was an sich schon ein Novum für die sportwissenschaftliche Literatur ist.

Was ist Ihre persönliche Lieblingsübung?

Die Übungen zur Laufkoordination u.a. mit der „Koordinationsleiter“ aber auch auf einem Badmintonfeld – bei dieser Wahl spielt natürlich meine „Herkunft“ eine große Rolle.

Für welche Zielgruppen ist funktionelles Training besonders gut und für wen gar nicht bzw. weniger gut geeignet?

Es gibt keine Zielgruppe für die funktionelles Training nicht geeignet ist. Man muss allerdings das Buch ganz lesen, um eine Anpassung an die verschiedenen Zielgruppen wirklich zu verstehen und gut durchführen zu können. Grundsätzlich sind sämtliche vorgestellten Übungen für sämtliche Anwendungen geeignet.

Sie haben das Buch gemeinsam mit Sabine Eckey geschrieben, die Produktmanagerin Sport bei Kettler ist. Was sind Ihre jeweiligen Spezialgebiete? Worin bestand die Arbeitsteilung?

Tatsächlich war Sabine Eckey ein Glücksgriff als Coautorin. Sie besitzt als ehemalige Ballsportlerin und Trainerin in einem Fitnessclub einen großen Erfahrungsschatz im Trainingsprozess. Ihre Aufgabe bei Kettler waren maßgeblich die „Kleingeräte“, die im funktionellen Training eine zentrale Rolle einnehmen: Ob Kurzhantel, Medizinball, Springseil oder Tubeset, all diese Geräte können im funktionellen Training vielfältig eingesetzt werden. Frau Eckey war also in vielerlei Hinsicht „vorbelastet“ und damit eine ideale Coautorin.

Seit einigen Jahren gibt es eine wahre Schwemme an Functional Training Ratgebern. Worin unterscheidet sich Ihr Buch von all den anderen?

Ehrlich gesagt war ich mir einer Schwemme überhaupt nicht bewusst. Natürlich habe ich mir schon bei der Diskussion um den endgültigen Titel einen Marktüberblick verschafft, aber eben seinerzeit kein Buch gefunden, das die Lücke zwischen Fachbuch und Ratgeber füllt. Der Ratgeber ist gekennzeichnet durch Übungsbeschreibungen und Anleitungen, eventuell auch einen vorgefertigten Trainingsplan (auch unser Titel hat diese Inhalte), aber darüber hinaus statten wir den Leser mit den notwendigen Hintergrundinformationen aus, um die vorgefertigten Informationen selbständig und auf den jeweiligen Trainingsfall anzupassen. Wir lassen dabei offen, ob es sich um den Leistungssportler, die ältere Frau oder Kinder- und Jugendtraining handelt.

Warum sollte gerade Ihr Werk unter’m Weihnachtsbaum liegen?

Der Leser lernt nicht nur Übungen kennen, sondern den Charakter von funktionellem Training. Er weiß nach welchen Schema die Übungen zu Stande kommen und wie sie zweckmäßig modifiziert werden können. Dieses Buch kann somit unter ganz vielen verschiedenen Weihnachtsbäumen liegen, ob Familienhaushalt oder Single, ob Alt oder Jung, ob Fachmann oder Laie. Es kann einen kurzfristigen Bedarf stillen, um z.B. überflüssige Pfunde vor dem nächsten Frühjahr abzutrainieren, oder auch als langfristiger Trainingsleitfaden im Buchregal eines Fußballvereinsheims stehen. Ich bin mir sicher, dass kein anderes Buch diesen hohen Anspruch erfüllen kann.

Welche Tipps haben Sie für diejenigen, die 2015 mit Functional Training beginnen (wollen)?

Die Frage ist schnell beantwortet: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Die besten Trainingsgrundsätze und auch fachlich besten Bücher bringen nichts, wenn Sie nicht in einer (täglichen) Trainingspraxis umgesetzt werden. Daran scheitert es aber meistens, wenn es um gute Vorsätze geht. Natürlich ist das Wissen um richtiges Training eine gute Voraussetzung, aber es ist die individuelle Motivation, die langfristig den Erfolg einer Trainingsmaßnahme sicherstellt. Und so individuell verschieden die Menschen sind, so sind es meiner Erfahrung nach auch die Faktoren, die Motivation und Durchhaltevermögen ausmachen. In der Tat würde ich jedem sagen: Kaufen Sie sich das Buch und suchen sie sich einen Mitstreiter, denn die Verabredung zum Training mit einer anderen Person wird ungern abgesagt, zumindest weniger häufig als die Verabredung mit sich selbst. Und obwohl funktionelles Training ein Höchstmaß an zeitlicher Effektivität bietet, so ist auch dieses mit einem zeitlichen Aufwand verbunden. Ohne diesen geht es nicht.

60 % der Deutschen wollen ihr Leben 2015 stressfreier gestalten und 55 % planen, mehr Sport zu treiben. Welche guten Gesundheits- und Fitness-Vorsätze haben Sie für’s Neue Jahr?

Dieselben. Das Jahr 2014 war bei mir tief geprägt durch eine berufliche Veränderung, die natürlich mit allerlei Stress vergesellschaftet war. Zusammen mit dem Wechsel des Arbeitsplatzes musste ich mich auch räumlich verändern und hatte ein extremes Arbeitsvolumen mit entsprechender zeitlicher Exposition zu bewältigen. Dies führte zu einem deutlichen Weniger an Sport und bis auf Spaziergänge mit dem Hund am Wochenende und Schwimmen an einem Tag in der Woche ist mein Bewegungsplan derzeit außerordentlich eingeschränkt. Der Vorteil dabei ist aber: Man kann deutliche Veränderungen herbeiführen und das habe ich mir für das kommende Jahr vorgenommen.

Besten Dank für das Interview & viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer guten Vorsätze!

 

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