Interview: Aerial Yoga mit Liliana

„An Aerial Yoga gefällt mir am meisten, dass ich dabei in meine Kindheit zurückkomme. Das macht Spaß und ist eine schöne Selbsterfahrung. Durch die Umkehrhaltungen habe ich außerdem meine Rückenprobleme gelöst. Ich bin schmerzfrei und beweglich. Meine Skoliose merke ich nicht mehr.“

© Liliana Polanco & Björn Heucke - AerialYoga-Berlin
© Liliana Polanco & Björn Heucke – AerialYoga-Berlin
Liliana Polanco…

…bildet gemeinsam mit Björn Heucke das Kern-Team von AerialYoga-Berlin.

www.AerialYoga-Berlin.de

Das Seekrankheitsgefühl meiner AerialYoga Premiere ist inzwischen verebbt. Leiden viele Anfänger unter diesem Phänomen?

Das hängt von jedem persönlich ab. Manchen wird nie schwindelig, manche bekommen schnell einen flauen Magen. Neben der individuellen Konstitution und der Tagesform gibt es noch weitere Einflussfaktoren – dazu zählt, was man gegessen und ob man genügend getrunken hat. Oft hilft es schon, ruhig und tief zu atmen, einen festen Punkt zu fixieren und konzentriert zu bleiben.

Wodurch werden die Schwindelgefühle ausgelöst?

Während der so genannten „Umkehrhaltungen“ tobt innerlich „der Sturm im Wasserglas“, weil wir doch mehr weiche – z. T. flüssige – als feste Bestandteile in uns haben. Gerade diese kommen aus der gewohnten Lage, was unter Umständen Stoffwechselendprodukte freisetzt, die wiederum eine gewisse Übelkeit hervorrufen können. In Kombination mit dem Schaukeln, also einer massiven Stimulierung des Gleichgewichtorgans, können sich diese beiden Effekte ungünstig überlagern.

Gibt es auch positive Seiten des „Aerial-Schwindels“?

Ja allerdings, denn Schaukeln macht den meisten Menschen sehr viel Spaß und die Entgiftung in den Umkehrhaltungen tut auch gut. Mit fortschreitender Praxis klingen die negativen Erscheinungen ab. Beide Effekte sind erwünscht. Die Stimulation des Gleichgewichtsorganes ist zentraler Bestandteil vieler Sportarten, insbesondere der Funsportarten wie Snowboardfahren oder ähnlichen. Die positiven Effekte der Umkehrhaltung gehen noch weit über die Entschlackung hinaus. Es lohnt sich also dran zu bleiben. Die wenigsten Meister fallen vom Himmel.

Welche Anfängerprobleme gibt’s neben den Schwindelgefühlen beim AerialYoga?

Das Tuch kann anfangs etwas „beißen und zwicken“. Man muss lernen, es an die richtigen Körperstellen zu legen und auch ordentlich zu falten. In der Regel ist es ab der 3. Stunde richtig bequem. Ansonsten ist AerialYoga ein komplexes Training aus Koordination, Kraft, Flexibilität und Spiel. Klar, dass die ersten Stunden schon eine Herausforderung sind. Manche Teilnehmer haben seit Jahren nicht mehr auf einem Spielplatz geturnt. Dementsprechend kosten einige Übungen auch etwas Überwindung. Sieht man dagegen Kinder in den Tüchern toben, wird schnell klar, wie stark wir uns durch Bewegungsmangel selbst einschränken.

Wie bist du zum AerialYoga Yoga gekommen? Und was fasziniert dich daran am meisten?

Vor einigen Jahren habe ich AerialYoga mit Sheila Falk in Wien gelernt. Mir gefällt am meisten, dass ich dabei in meine Kindheit zurückkomme. Das macht Spaß und ist eine schöne Selbsterfahrung. Durch die Umkehrhaltungen habe ich außerdem meine Rückenprobleme gelöst. Ich bin schmerzfrei und beweglich. Meine Skoliose merke ich nicht mehr.

Inwiefern fördert AerialYoga Kraft, Ausdauer, Koordination, Beweglichkeit…? Und setzt du unterschiedliche Akzente in deinen Workouts?

Mit AerialYoga lassen sich verschiedene Trainingsziele erreichen. Die Kernkomponenten sind Flexibilität und Beweglichkeit sowie Koordination, gefolgt von Kraft, Spiel und Mut. Zwar kann man durch Wiederholung von Figuren und dynamischen Sequenzen den Puls ordentlich hoch halten, aber insgesamt ist AerialYoga – wie quasi alle Yogaarten – kein Ausdauersport. Eine AerialYoga Klasse lässt sich von „meditativ yogisch“ bis „dynamisch fitnessorientiert“ gestalten, manchmal stehen aber auch nur wenige Figuren im Mittelpunkt, wie z.B. die Umkehrhaltungen.

Für wen ist AerialYoga besonders gut geeignet, für wen ist’s gar nicht und für wen nur bedingt zu empfehlen?

AerialYoga ist für jedermann geeignet, besonders natürlich für diehjenigen mit Yoga-Erfahrung. Aber auch für Einsteiger erklären sich viele Haltungen von selbst und sind mitunter einfacher auszuführen als auf der Yogamatte am Boden. Nicht geeignet ist AerialYoga bei akuten Herzkreislaufproblemen oder akuten Rückenschmerzen, bei offenen Wunden oder nach frischen Operationen. Und sehr schwere Leute haben es tatsächlich schwerer, weil sie mehr Gewicht pro Tuchfläche aufbringen und das kann schmerzen.

Es gibt auch eine AerialYoga Variante in größerer Bodennähe. Wem würdest du dazu raten?

Es gibt einige Übungen, die mit dem Tuch auf Kniehöhe durchgeführt werden, beispielsweise das „Pferd“, das eine tiefe Hüftöffnung bringt. In „normalen“ AerialYogaklassen wird eher nicht mit niedrigem Tuch gearbeitet, weil es keinen nennenswerten Vorteil bringt und es umständlich ist, das Tuch in der Klasse umzuhängen.

Wie gefährlich ist AerialYoga? Und wie oft gibt’s Unfälle?

Yoga insgesamt ist nicht ungefährlich! Es KANN mehr schaden als es hilft, das ist ganz allgemein so. Ich habe glücklicherweise noch keine Verletzung meiner Schüler miterleben müssen, obwohl es schon einige leichte „Abstürze“ gab. Selbst habe ich mich allerdings schon gezerrt, weil ich mich überdehnt habe. Mein Partner hat auch schon einmal einen leichten Hexenschuss „aufgefrischt“, weil er unaufgewärmt eine intensive Figur gezeigt hat und falsch wieder aus dieser Figur herausgegangen ist.

Wie gehst du mit diesen Risiken um?

Unfällen versuche ich mit gutem „WarmUp“ und langsamen, achtsamen Bewegungen vorzubeugen. Auch zeige ich die Figuren ausführlich und erkläre viele Details, bevor ich die Gruppe anleite. Falscher Ehrgeiz und mangelnde Achtsamkeit sind häufige Verletzungsursachen im Yoga. Wichtig ist, dass jeder sein persönliches Niveau findet und unterscheiden lernt zwischen gesunden „Dehnschmerz“ und gefährlichem Gelenkschmerz. Yoga ist kein Wettkampf, die Figuren sind wirkungsvoll und intensiv. Mir als Lehrerin obliegt es, meinen Schülern dieses Bewusstsein mitzugeben. Eine gute Anleitung vermindert das Verletzungsrisiko im Yoga wie auch im AerialYoga.

Hast du einen Lieblings-Aerial-Asana?

Die Umkehrhaltungen und deren Variationen sowie Wirbelsäulentwists, Hüftöffnungen und Oberschenkeldehnungen sind meine Favoriten.

Was sollten Newbies mitbringen, die AerialYoga bei dir mal antesten wollen?

Sie sollten bequeme Klamotten und guten Laune mitbringen. Nicht zu viel gegessen haben, aber auch nicht mit nüchternem Magen kommen und ausreichend getrunken haben.

Vielen Dank für das Interview!