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Interview zum Buch “Lauf-Schlank-Coach für Frauen”

„Es klingt zwar klischeehaft, aber Männer ticken in der Regel wettkampforientierter und wollen sich miteinander messen. Bei Frauen spielen häufig andere Motive eine entscheidende Rolle, wenn es ums Sporttreiben geht. Abnehmen gehört da zu den häufigsten Gründen. Deshalb haben wir uns diesem Thema mit dem Lauf-Schlank-Coach etwas intensiver gewidmet.“

© Stefanie Anderson
© Stefanie Anderson

Jörg Birkel…

…ist Diplom-Sportwissenschaftler und aktiver Triathlet. Als Sport- und Fitnessexperte schreibt er seit mehr als 10 Jahren über Sport-, Gesundheits- und Wellnessthemen. Als Fachbuchautor hat er unter anderem den Ratgeber Triathlon für Einsteiger (BLV) und Der Lauf-Guide für Frauen (BLV) verfasst. Jörg Birkel war von 2003 bis 2009 als Dozent an der Deutschen Sporthochschule in Köln tätig.

www.jorge-sports.com

Herr Birkel, mit Ihrem frisch erschienenen Buch “Lauf-Schlank-Coach“ wenden Sie sich explizit an Frauen. Gehören die “inneren Schweinehunde” von Frauen einer anderen Rasse als die von Männern? ; )

Bei dieser Frage muss ich etwas schmunzeln. Der innere Schweinehund macht sicher keinen Unterschied beim Geschlecht. Worin sich Frauen und Männer aber sehr wohl unterscheiden, sind die Motive, warum man oder frau Sport treibt. Es klingt zwar klischeehaft, aber Männer ticken in der Regel wettkampforientierter und wollen sich miteinander messen. Bei Frauen spielen häufig andere Motive eine entscheidende Rolle, wenn es ums Sporttreiben geht. Abnehmen gehört da zu den häufigsten Gründen. Deshalb haben wir uns mit dem Lauf-Schlank-Coach diesem Thema etwas intensiver gewidmet.

Können Männer trotzdem von Ihrem Ratgeber profitieren?

Auf jedem Fall können Männer mit unserem Buch genauso abnehmen, lediglich in der Ansprache wendet sich das Buch an die Damenwelt. Es ist sozusagen die Fortsetzung meines Laufguides für Frauen, der ebenfalls im BLV Verlag erschienen ist. In unserem neuen Buch geht es aber weniger um Geschlechterunterschiede, sondern darum, wie man nachhaltig und effektiv sein Gewicht reduzieren und ohne Jojo-Effekt schlank bleiben kann. Das ist kein Geheimnis, sondern angewandte Wissenschaft – auch wenn wir uns bemüht haben, die Tipps allgemein verständlich zu vermitteln. Unsere Leser lernen ein effektives System kennen, wie man mit dem richtigen Training und einer natürlichen Ernährung abnehmen kann. Das funktioniert für Frauen wie Männer gleichermaßen.

Macht Ihr Buch nur für Frauen Sinn, die abnehmen wollen? Oder auch für alle, die zwar am Laufen, aber nicht am Abnehmen interessiert sind?

Abnehmen ist sicherlich das Leitmotiv für das Buch, aber uns geht es auch um eine gesunde Lebensführung. Davon profitiert jeder Leser. In den letzten 50 Jahren haben sich unsere Lebensgewohnheiten massiv verändert. Lange Büroarbeitszeiten, wenig Bewegung im Alltag und Fastfood sind heute eher die Regel als die Ausnahme. Das geht nicht spurlos am Körper vorbei. Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen und eine geringere Leistungsfähigkeit im Alltag sind die Folge. Dafür ist unser Körper aber nicht ausgelegt. Abnehmen kann also ein sinnvolles Ziel sein, wenn man übergewichtig ist, aber das Anschlussziel lautet: Fit bleiben bis ins Alter.

Übergewichtigen werden heute viele gelenkschonende Sportarten geboten. Warum empfehlen Sie gerade Laufen?

Laufen ist die natürlichste Bewegungsform des Menschen. Unsere Vorfahren haben sich täglich über weite Strecken bewegt und der Körper hat sich an diese Lebensweise angepasst. Diese Gene haben sie uns über Generationen vererbt. Deshalb halte ich Laufen für eine gute Bewegungsform für jeden. Außerdem braucht man nicht viel für ein regelmäßiges Lauftraining. Ich kann jederzeit und überall Laufen gehen. Alles, was ich dafür benötige sind Sportsachen und ein Paar Laufschuhe. Es gibt also nicht viele Ausreden, die mich vom Training abhalten können. Und was die Gelenkbelastung angeht, so weiß man heute, dass Laufen mit der richtigen Technik keineswegs die Gelenke verschleißt, sondern diese Bewegungsreize sogar gut für unsere Gelenke sind. Warum so viele Läufer dennoch Gelenkprobleme haben, kann verschiedene Ursachen haben: Falsche Schuhe, ein schlechter Laufstil, zu schnell gesteigerte Laufumfänge und Vorbelastungen aus dem Alltag oder anderen Sportarten können die Gelenke belasten. Treten beim Laufen Beschwerden auf, sollte man daher abbrechen und die Ursachen ermitteln. Mit einem begleitenden Athletikprogramm, Einlagen oder einer Laufstilumstellung lassen sich viele Beschwerden in den Griff bekommen.

Wem würden Sie das Laufen nur bedingt empfehlen und wem sogar abraten?

Wer bekannte Schäden am Bewegungsapparat hat, beispielsweise einen Knorpelschaden am Knie oder in der Hüfte, sollte seine Laufpläne mit einem Sportmediziner, Osteopathen oder Physiotherapeuten besprechen. Auch bei starkem Übergewicht (Adipositas) ist es nicht ratsam, gleich mit einem Lauftraining einzusteigen. In der Anfangsphase wäre hier Walking die gelenkschonendere Variante. Sobald man aber etwas Gewicht verloren hat, kann man dann langsam ins Lauftraining einsteigen. Auch das sollte man im Zweifel mit einem Facharzt abklären. Gibt der Arzt grünes Licht, dann steht dem Lauftraining nichts mehr im Wege.

Ein erklärtes Ziel in Ihrem Buch lautet, Frauen Spaß an der Bewegung zu vermitteln. Wie schaffen Sie das bei Sportmuffeln? Und glauben Sie, dass es jeder Frau gelingen kann, Spaß am Laufen zu entwickeln?

Spaß an Bewegung ist ein wichtiges Motiv für mich. Nur wer Freude an dem empfindet, was er tut, bleibt auch langfristig bei der Sache. Wem sein natürlicher Bewegungsdrang abhanden gekommen ist, der sollte sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Das kann den Spaß ausbremsen. Ich finde es wichtiger, dass man Bewegung bewusst erspürt und auf seinen Körper hört. Das richtige Lauftempo zu finden, ist ein entscheidender Schritt. Wer sich ständig über- oder unterfordert, der holt sich auf Dauer Frust ab. Mit der richtigen Belastungsintensität stellen sich dagegen Erfolge ein, die dann für zusätzliche Motivation sorgen.

Sie haben Ihren Ratgeber zu dritt verfasst. Worin bestand Ihre Arbeitsteilung?

Die Arbeitsteilung im Autorenteam ist leicht erklärt. Meine Co-Autoren sind Ernährungswissenschaftler und haben sich beispielsweise um die Rezepte und die wissenschaftlichen Grundlagen zur Ernährung gekümmert. Ich selber bin Sportwissenschaftler und habe das grundlegende Konzept und die Trainingspläne erarbeitet.

Wie sind Sie selbst zum (Spaß am) Laufen gekommen? Und wann/wobei hört dieser Spaß für Sie womöglich auch mal auf?

Ich war bereits als Kind sehr aktiv und treibe schon Sport, seit ich denken kann. Früher habe ich viele Sportarten ausprobiert, aber seit ich mit dem Studium fertig und ins Berufsleben eingestiegen bin, brauche ich flexiblere Trainingszeiten. Da ist Laufen ideal. Ob morgens vor der Arbeit, mal eben in der Mittagspause oder abends vor dem Schlafen gehen, für einen kurzen Lauf findet sich immer etwas Zeit. Neben der Effizienz, die mir die Sportart bietet, genieße ich lange Läufe einfach, weil man dabei prima die Gedanken schweifen und vom Alltagsstress abschalten kann. Zudem betreibe ich noch aktiv Triathlon und nehme an Wettkämpfen teil. Dieses Ziel vor Augen motiviert mich ungemein, wenn ich mal härtere Laufeinheiten im Trainingsplan stehen habe. Der Spaß hört für mich aber da auf, wo Schmerz ins Spiel kommt. Es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören.

Eine kürzlich erschienene Laufstudie kam zu dem Schluss, dass Abnehmwillige durch das Laufen oft sogar zunehmen. Wie können Sie diesen Effekt bei Ihren LeserInnen vermeiden, zumal Ihre Rezept-Tipps so verlockend sind?

Das kann tatsächlich passieren. Dafür würde ich zwei Gründe anführen: Erstens wird der Kalorienverbrauch beim Sport überschätzt. Und viele Abnehmwillige meinen, dass sie sich nach dem Training alles ohne schlechtes Gewissen gönnen dürfen. Das ist aber ein Irrtum. Abnehmen gelingt nur, wenn die Ernährung angepasst wird. Ein Sixpack wird in der Küche gemacht, heißt es aus gutem Grund. Zweitens trainieren viele Läuferinnen mit der falschen Intensität, sie laufen immer relativ lange bei mittlerer Intensität und erschöpfen damit ihre Kohlenhydratspeicher. Das führt zu Heißhunger nach dem Training. Stattdessen sollte man entweder lange und langsam laufen oder kurz und schnell. Das verbessert den Fettstoffwechsel und die Kondition. Ansonsten gilt: Essen Sie regelmäßig. Ideal sind drei Hauptmahlzeiten zu festen Zeiten. Dafür gibt es den umfangreichen Rezeptteil mit tollen Anregungen. Der Körper braucht ausreichend Energie und Baumaterial. Isst man nämlich zu wenig, schaltet er auf Sparflamme und es wird nix mit dem Abnehmen. Das ist die positive Botschaft unseres Buches. Niemand braucht zu hungern, wenn er abnehmen will.

Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps für Frauen, die jetzt – Ende Januar – schon an ihren Neujahrsvorsätzen in Bezug auf Fitness und/oder Shaping zweifeln?
  1. Erfolg braucht Beständigkeit. Vermutlich ist keine Frau über Nacht dick geworden. Entsprechend muss man die eigene Erwartungshaltung anpassen. Wer erfolgreich abnehmen will, muss Geduld haben.
  2. Setzen Sie sich Ziele. Wer ein Ziel vor Augen hat, der arbeitet motivierter. Die Ziele sollten aber unbedingt realistisch und messbar sein. Pro Monat kann man auf gesundem Wege etwa 1 bis 1,5 Kilogramm Fett verlieren. Entsprechend früh sollte frau also anfangen, wenn sie im Sommer eine gute Figur im Bikini machen will.
  3. Suchen Sie sich Gleichgesinnte. Studien belegen, dass es sich in Gruppen leichter abnimmt. Gemeinsam macht zudem das Training mehr Spaß und die Zeit vergeht schneller.
Vielen Dank für das Interview!

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