Markttrends, Zahlen & Fakten zum EMS-Training

EMS: Von der Reha-Nische zum Breitensport?

default-image-bigFast 190.000 Menschen trainierten 2016 in Deutschland bei 1.700 EMS-Anbietern. Diese enormen Zahlen sind der EMS-Studie 2017 zu entnehmen. Dabei verzeichneten die großen EMS-Ketten im letzten Jahr ein durchschnittliches Wachstum von rund 20%. Da kann die jüngste DSSV-Prognose des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness und Gesundheits-Anlagen kaum verwundern. Demnach zählt EMS-Training zu den herausragenden Trends, die sich in der Fitnessbranche nachhaltig durchsetzen könnten.

Der Löwenanteil der Mikro-Studios am Fitnessmarkt-Wachstum

Der druckfrischen Deloitte-Studie “Der deutsche Fitnessmarkt“ 2017 ist zu entnehmen, dass Fitnessunternehmen die Anzahl der Anlagen im Vergleich zum Vorjahr um 352 (+4,2%) steigern konnten. Dass (EMS-)Mikro-Studios daran einen herausragenden Anteil hatten, zeigt die Erläuterung: „Bei einer differenzierten Analyse zwischen Anbietern mit klassischen Full-Service-Fitnessstudios (> 200 m2) und Anbietern mit spezialisierten Mikro-Fitnessstudios (< 200 m2) lässt sich feststellen, dass die Anbieter mit einem fokussierten Angebot einen stärkeren Anstieg mit 178 zusätzlichen Anlagen (+9,5%) verzeichneten als die klassischen Fitnessanbietern mit einem Anstieg von 174 Clubs (+2,7%)." Mit ihrem Anteil von rund 190.000 EMS-Trainierenden an den 10,1 Millionen Mitgliedern des deutschen Fitnessmarktes hat die EMS-Branche dennoch "Luft nach oben".

EMS-Trend: Eigenes Equipment für flexibles EMS-Training

© Robert-Melzer / pixelio.de
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„Schon in kurzer Zeit werden immer mehr EMS-Anwender ihr eigenes Gerät haben, mit dem sie unabhängig im Fitnessstudio und auch in ihrer Freizeit, im Urlaub und auf der Arbeit trainieren können,“ prognostiziert Benjamin de Wolff im E-Interview mit BERLINissima.sport. Der Geschäftsführer des Berliner EMS-Ausrüstershops bodyfitwear ist überzeugt: „Kein anderes Sportgerät kann in so schneller, schonender Art den Menschen gesünder, fitter, schmerzfreier und lebensfroher machen.“ Tatsächlich zeigt der wachsende Markt für tragbare EMS-Geräte und kabellose EMS-Anzüge wie verlockend und vielfältig das EMS-Angebot für den Heimgebrauch schon heute ist.

Chancen & Risiken des EMS-Heim-Trainingstrends

Die wachsenden Suchmaschinen-Anfragen nach „EMS training zuhause“ (vgl. „EMS-Studie 2017„) sprechen für den EMS-Heim-Trainingstrend. Wird die Do-it-yourself-Variante bald also zur Konkurrenz für EMS-Studios? Diese Gefahr sieht Benjamin de Wolff nicht: „Trainer und Studios werden diesen Markt mit professionellen Schulungen mitaufbauen und davon profitieren.“ Inwiefern ist die Zeit für das autonome Training – in Anbetracht der gesundheitlichen Risiken – allerdings schon „reif“? Prof. Dr. Michael Fröhlich, Co-Autor der Leitlinien zur Anwendung von Ganz-Körper-EMS warnt: „Ein alleiniges EMS-Training zuhause und ohne korrekte Unterweisung und Überwachung sollte vermieden werden.“ Dem Heim-Trainings-Trend zum Trotz scheint das „überwachte“ Training jedenfalls weiterhin ganz prächtig zu gedeihen…

Facts & Figures zum EMS-Studio-Markt (lt. EMS-Studie 2017)
  • Insgesamt wuchs der EMS-Markt hierzulande von 1/2016-1/2017 um 12% auf 1.700 Anbieter.
  • Die Studienverfasser gingen im Januar 2017 von 190.000 EMS-Trainierenden in Deutschland aus.
  • 40% der 600 fitnessaffinen Studienteilnehmerinnen möchten EMS Training 2017 ausprobieren.
  • Die größten EMS-Ketten verzeichneten von 1/2016-1/2017 ein kumuliertes Standortwachstum von rund 20%.
  • Der größte Anbieter (bodystreet) hatte im Januar 2017 mehr Standorte als die folgenden 7 Ketten zusammen.
Rosige Aussichten für EMS-Studios – auch international

© S. Hofschlaeger / pixelio.de
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Während Ralph Scholz (Event Director der FIBO) dem EMS-Training zwar weiterhin viel Potenzial, aber wenig „Massenphänomen“-Chancen einräumt, verheißt der aktuelle EMS-Boom den Weg in den Mainstream. So geht Emma Lehner, Gründerin der mit Abstand größten deutschen EMS-Kette bodystreet, von einem Potenzial von 4.000 EMS-Studios aus – also einer Fast-Verdreifachung des Status Quo allein hierzulande. Da Deutschland beim EMS-Training bislang eine deutliche Vorreiterrolle einnimmt, dürfte das internationale (Expansions-)Potenzial um ein Vielfaches höher liegen. Und auch wenn das Standort-Wachstum 2016 – im Vergleich zu den Vorjahren – etwas entschleunigt vonstatten ging, sind sich die Experten mehrheitlich einig, dass auch 2017 wieder von einem überproportionalen Wachstum des EMS-Studio-Marktes auszugehen ist.

Ziehen Fitnesscenter mit EMS-Add-Ons nach?

Die Frage, wie rasant das Wachstum weiter verläuft, steht nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Integration von EMS-Add-ons etablierter Fitnesscenter. Während der DSSV Sachverständige Thomas Kämmerling für herkömmliche Fitnessstudios hier großes Potenzial sieht, zweifelt fitbox-Co-Founder Dr. Björn Schultheiss im fitogram-Interview, „wie eine Integration in eine großflächige Fitnesslandschaft zu einem aus Kundensicht angemessenen Preis funktionieren könnte“. Kämmerling geht dagegen von einer zusätzlichen Umsatzaussicht von bis zu 200.000€/p.a. bei einer Fläche von nur 40qm aus.

Von „Nischen“ und Alleinstellungsmerkmalen

© Petra Bork / pixelio.de
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Weniger quantitativ unterlegt als auf Basis vergleichbarer Marktentwicklungen in anderen Branchen argumentiert Niels Gronau von der edelhelfer Beratung: „Mit der Integration des spezifischen Angebotes stellen diese Betriebe auch eine zunehmende Konkurrenz zu den Nischenanbietern dar, die mit ihrem spezifischen Produkt zuvor über größere Alleinstellungsmerkmale verfügten.“ Ob und wie EMS-Training den Weg aus der „Nische“ in den „Mainstream“ (weiter) beschreitet, werden nachhaltige USPs der jeweiligen Teil-Märkte beeinflussen. Und sicher auch jede/r Einzelne/r mit der individuellen Entscheidung „für oder gegen den Strom“.

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