„Medical Yoga professional“

Dr. Christian Larsen im E-Interview

Moderne Wissenschaft und Yoga Tradition bilden für ihn ein „Traumpaar“. Warum diese Verbindung nur auf den ersten Blick unpassend erscheint, erläutert der Autor von „Medical Yoga professional“ und Mitbegründer der Spiraldynamik® im E-Interview.

© Dr. Christian Larsen
© Dr. Christian Larsen

Dr. med. Christian Larsen…
…ist Leiter des Spiraldynamik® MedCenters Zürich und Facharzt für Allgemeinmedizin mit den Spezialgebieten „Anatomie / Biomechanik aus Sicht der Evolutionsgeschichte“ sowie „Nicht-operative Orthopädie“. Sein aktuelles Fachbuch „Medical Yoga professional“ hat er gemeinsam mit Theda van Lessen und Eva Hager-Forstenlechner veröffentlicht.
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Traumpaar: Spiraldynamik und Hatha Yoga

Herr Dr. Larsen, mit Ihrem aktuellen Werk „Medical Yoga professional“ bringen Sie ungewöhnliche Themen und Zielgruppen zusammen. „Spiraldynamik trifft auf Hatha-Yoga“ lautet der Buch-Untertitel. Wie kam es zu diesem Treffen?

Auf den ersten Blick erscheint das professionelle Zusammentreffen von Spiraldynamik und Hatha Yoga ungewöhnlich. Auf den zweiten Blick entpuppt es sich als Traumpaar: Yoga wird heute mehr denn je aus gesundheitlichen Gründen praktiziert – Prävention und Yoga sind groß geschrieben. Gleichzeitig ist „Spiraldynamik“ ein Bewegungs- und Therapiekonzept, dem der evolutionsgeschichtliche Bauplan des menschlichen Körpers zu Grunde liegt. Moderne Wissenschaft und Yoga Tradition passen da perfekt zusammen. Dies haben übrigens auch die letzten 20 Jahre praktischer Erfahrung gezeigt.

Sie sind Leiter des Spiraldynamik MedCenters Zürich, Ihre Co-Autorinnen Theda van Lessen und Eva Hager-Forstenlechner arbeiten als Heilpraktikerin bzw. Yoga-Lehrerin. Wie haben sich Ihre beruflichen Hintergründe in der Arbeitsteilung bei dem Buch-Projekt niedergeschlagen?

Richtig. Die unterschiedliche berufliche Herkunft – Medizin und Yoga – ergab fruchtbare Synergien. Fast noch wichtiger aber waren die konkreten Fähigkeiten, die jeder mit einbrachte: Theda van Lassen (Germanistikstudium) kann wunderbar schreiben, Eva Hager (früher Tänzerin und Juristin) ist visuell sehr stark und extrem genau – vor der Kamera wie hinter dem Bildschirm. Ich bin ein guter Allrounder ; )

Lektüre für bewegungschaffende Profis

Vor drei Jahren haben Sie bereits den Ratgeber „Medical Yoga: Anatomisch richtig üben“ veröffentlicht. Welche neuen oder anderen Infos hält „Medical Yoga professional“ bereit?

Die Zielgruppen sind ganz anders: „Medical Yoga“ ist für Einsteiger und Yoga-Praktizierende. „Medical Yoga Professional“ für Fortgeschrittene, Yogalehrer, Personal Trainer und für Bewegungstherapeuten. Das erste Buch ist leicht, das zweite hat Tiefgang. Die anatomischen Grafiken im Profi-Buch wurden in einem aufwändigen 3-D Verfahren realitätsgetreu rekonstruiert. In der Praxis sieht es dann so aus: Therapeuten und Yogalehrer arbeiten mit dem „Pro“ Buch, Schüler mit dem einfachen „Medical Yoga“.

Durch die Anwendung ihrer Spiraldynamik Prinzipien können insbesondere Yoga-Lehrende bei der Ausführung der Asanas präziser bzw. „anatomisch korrekt“ arbeiten. Wer kann ansonsten von Ihrem Know-How-„Blend“ profitieren?

Von dem neuen Buch profitieren Bewegungsschaffende und Bewegungstherapeuten aller Richtungen: Neben Yogalehrern und Physiotherapeuten auch Pilates Instruktoren und Personal Trainer. Hinzu kommen die 5000 Fachkräfte der Spiraldynamik® – diese haben den Vorteil, dass sie mit der praktischen Umsetzung bereits bestens vertraut sind.

Spiraldynamik und Spiritualität

Warum beschränken Sie sich in Ihrem Buch auf Hatha-Yoga und (wie) lassen sich Ihre  Spiraldynamik-Prinzipien auch auf andere Yoga-Schulen und -Richtungen übertragen?

buch_medical-yoga_2015Spiraldynamik® erklärt den evolutionsgeschichtlichen Bauplan des menschlichen Körpers: funktionell, effektiv und nachhaltig. So gesehen ist Spiraldynamik® ein „Teilsystem“ – nützlich für alle körperorientierten Yogaformen inklusive Atemübungen und Meditationshaltung. „Yoga“ hingegen ist umfassender. Bhakti Yoga (Yoga der Liebe), Karma Yoga (Yoga der Tat) und Jnana Yoga (Meditation) – drei grundverschiedene spirituelle Wege, die ein Mensch einschlagen kann.

„Medical Yoga professional“ wartet mit fast 500 Abbildungen auf, die detaillierte Einblicke in den Bewegungsapparat bei der konkreten Übungsausführung ermöglichen. Haben Sie für diese an Gunther von Hagens „Körperwelten“ erinnernden Illustrationen auch schon kritisches Feedback – z. B. von eher „spirituell“ orientierten Yoga-Anhängern – geerntet?

Nein, bisher ist mir kein negatives Feedback zu Ohren gekommen. Ist auf den zweiten Blick auch logisch: Bei Gunther Hagens Körperwelten werden ja richtige Menschen ausgestellt. In unserem Buch wird gezeichnet. Mit durchaus vergleichbarer Qualität, aber eben gezeichnet. Übrigens: Das Erkennen des Spiralprinzips als roten Faden des menschlichen Bewegungssystems ist gerade für spirituell orientierte Menschen besonders interessant: In der Ursilbe „speir-“ steckt eine dreifache Bedeutung von winden und drehen wie in „Spirale“, wehen und hauchen wie in „Respiration“ und von Geist wie in „Spiritus“.

Medical Yoga in Ausbildung und Unterricht

Was würden Sie Yoga-Ausbildungsstätten im Hinblick auf die stärkere Berücksichtigung medizinischer Aspekte raten?

Yoga ist nicht ungefährlich: Hirnschlag, geplatzte Bandscheiben, geborstene Meniski, abgestorbene Nerven, unzählige Muskelzerrungen und Bagatellverletzungen… alles viel häufiger als man denkt. Das hat sich inzwischen ´rumgesprochen, die Statistiken sprechen hier eine klare Sprache. Dies führt dazu, dass alles potentiell Gefährliche aus den Yoga-Programmen gestrichen wird. Schade! Dabei geht auch viel Wertvolles und Wirkungsvolles verloren. Wichtig wäre es, die (Neben-) Wirkungen der Asanas genauer auf bestimmte häufige Krankheitsbilder anzupassen. Genau diese Lücke zu schließen ist die Absicht der Buchreihe „Medical Yoga“.

In vielen Yoga-Schulen mangelt’s nicht unbedingt an fehlender „Präzision“, sondern oft eher daran, dass ein/e Yoga-Lehrer/in mehrere Dutzend Teilnehmende im Blick behalten muss. (Wie) können Ihre Spiraldynamik-Prinzipien auch in derartigen Massenveranstaltungen eingehalten werden?

Das sehe ich anders – genau da liegt das Problem! Präzision im Hatha Yoga bedeutet alle Winkel (Raum) stimmen, das Timing (Zeit) stimmt, die Intensität (Dosierung) stimmt usw. Es ist wie beim Instrumentalspiel in der Musik: Bewegungspräzision in Raum und Zeit ist sehr anspruchsvoll, das wird meist unterschätzt. Wenn Sie an drei Dinge denken, heißt das noch lange nicht, dass es stimmt – der berühmte blinde Fleck eben.
Bezüglich Massenveranstaltungen gibt es erprobte Unterrichtsformen, die eine anständige Qualität auch beim Lernen in Grossgruppen sicherstellen: Selbstreferenzielles Lernen zum Beispiel: Unterbrüche im Bewegungsfluss können durch den Atem oder das Singen von Mantras hörbar gemacht werden. Oder Partnerübungen – auch eine interessante Option in grösseren Gruppen.

VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW!

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