TÜV-geprüftes EMS-Training

EMS-Training auf dem Prüfstand

default-image-bigQualität, Sicherheit, Hygiene – der „EMS-TÜV“ hat’s in sich. Anders als die alt bewährte TÜV-Prüfung von Fitnessstudios steckt die EMS-Variante noch in ihren Kinderschuhen. Wir sprachen mit dem EMS-TÜV-Experten Wilhelm Sonntag über die ersten Prüfungserfahrungen und seine wichtigsten Tipps für EMS-Profis.

Wie sich Kunden UND Team besser absichern lassen

„Die Trainerin hätte das Training reduzieren oder sogar abbrechen müssen. Darin liegt jedenfalls eine Pflichtverletzung, die einen Schmerzensgeldanspruch sowie Schadensersatzansprüche begründet,“ argumentierte unlängst ein Berliner Anwalt, der mittlerweile eine ganze Reihe von EMS-„Unfallopfern“ vertritt. EMS-TrainerInnen seien oft unzureichend ausgebildet, so seine Auffassung. Um entsprechende Risiken für EMS-Kunden und -Trainingspersonal zu minimieren, prüft der TÜV nicht zuletzt auch die Team-Qualifikation.


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Wilhelm Sonntag vom TÜV-Rheinland im E-Interview

In Berlin gab es bereits einige Unfälle in EMS-Studios. Wie tragen Sie mit Ihrer EMS-Studio-Zertifizierung zur Risikosenkung bei?

Unsere Zertifizierung von „reinen“ EMS-Einrichtungen, hat das Ziel, die Sicherheit und Qualität der Einrichtungen zu gewährleisten und wo nötig zu steigern. Aktuelle Unfälle in Berliner EMS-Einrichtungen sind uns nicht bekannt.

Mit Ihren Fitnessstudio-Prüfungen haben Sie jahrzehntelang Erfahrungen gesammelt. Ihr EMS-Angebot ist dagegen noch recht „frisch“. Inwiefern unterscheiden sich die allgemeine Gym-Prüfung und die im EMS-Studio?

Die Erfahrungen, die wir mit der Zertifizierung von Fitnessstudios in den vergangenen Jahren sammeln konnten, hilft uns jetzt auch bei der Überprüfung von EMS- Einrichtungen. Insbesondere auf den Gebieten Hygiene, technische und bauliche Sicherheit, Ausbildung bzw. Qualifikation des Personals, sowie Notfallmanagement. Auch die Kombination aus Dokumenten-Check und Überprüfung vor Ort (Audit) hat sich bewährt, können doch so viele Schwachstellen erkannt und abgestellt werden – im Sinne der Trainierenden und der Anbieter.

Wenn man in Ihren Kriterienkatalog schaut, nimmt die Hygiene-Prüfung besonders viel Raum ein. Besteht hier tatsächlich ein so großer Bedarf?

Ein ganz klares JA. Während beim „klassischen Fitnessstudio“ das Thema Hygiene schon einen großen Stellenwert in unseren Checks einnimmt, ist gerade bei der Leih-Funktionswäsche in EMS- Einrichtungen erhöhte Wachsamkeit geboten. Gespräche mit Dermatologen haben gezeigt, dass über den intensiven Hautkontakt mit der Leih-Wäsche sich vielerlei Angriffspunkte für mögliche Erkrankungen bieten. Auch, wenn beispielsweise falsche Reinigungs- und Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen.

Im Fokus: EMS-Trainingspersonal

Gerade der ungenügenden Trainerausbildung wurde in den Rechtsstreitigkeiten um die besagten Unfälle eine hohe Bedeutung beigemessen. Das Thema Trainerkompetenz, das Sie in Ihrer Präsentation beim EMS-Symposium 2016 selbst stark betont haben, spielt in Ihrem Kriterienkatalog dennoch eine eher untergeordnete Rolle. Wieso das?

Das Thema Ausbildung und Qualifikation des Personals ist bei unserer Zertifizierung von entscheidender Bedeutung! Daher arbeiten wir auch intensiv mit Partnern zusammen, die uns wichtige Hinweise und Erläuterungen geben. Wie auch bei den klassischen Fitnessstudios ist es oftmals nicht die mangelnde Sicherheit bei den Geräten, die zu gefährlichen Situationen führt, sondern der unsachgemäße Umgang mit der Technik bzw. die mangelhafte Anleitung und Betreuung durch das Trainingspersonal. Ohne entsprechende Nachweise, was die Qualifikation des Personals anbelangt, erhält daher keine EMS-Einrichtung eine TÜV Rheinland Zertifizierung.

Die technische Prüfung des EMS-Equipments halten Sie – auch aus Kostengründen – eher pragmatisch. Birgt das nicht die Gefahr, dass z. B. bei fehlenden oder mangelhaften Sicherheitsfeatures, technisch bedingte Unfälle ansteigen?

Bei der technischen Prüfung des EMS-Equipments achten wir auf den sachgemäßen Einbau und Zustand vor Ort und überprüfen die entsprechenden technischen Dokumentationen. Wir könnten natürlich die Geräte auch einem aufwändigen Labor-Check unterziehen, jedoch laufen dann diese Prüfungen nicht zerstörungsfrei ab. Wir würden also schlicht das Equipment kaputt machen.

Die EMS-Studio-Zertifizierung und ihre Hürden

Wie viele EMS-Studio-Zertifizierungen haben Sie bisher national – und wie viele in Berlin – durchgeführt? Bei wie vielen Studios hatten Sie Beanstandungen (in %)? Wie viele konnten nachbessern, und sind auch welche durchgefallen?

Aktuell laufen bei uns rund 50 EMS-Studio-Zertifizierungen, zahlreiche sind schon zertifiziert. Die Zahl der Beanstandungen liegt in etwa auf dem Niveau der klassischen Fitnessstudios, soll heißen: Ohne Nacharbeit kommt kaum ein Studio im ersten Anlauf durch die Zertifizierung. Doch gerade die Studios, die bereits Erfahrung mit Zertifizierungen haben, erreichen fast immer das Ziel.

Was sind die höchsten Prüfungshürden für die EMS-Studios? Welche Faktoren müssen bislang am häufigsten nachgeprüft werden?

Es sind hauptsächlich die Themen Qualifikation des Personals und Notfallmanagement. Aber wir finden auch noch vereinzelt bauliche Mängel vor Ort.

Was kostet die erstmalige EMS-Studio-/PT-Prüfung? Welche Kosten fallen bei einer etwaigen Nachprüfung an? Und wie lang gilt das Zertifikat?

Bei einem reinen EMS-Studio startet unsere Prüfung (je nach Größe und Ausstattung) bei einem dreistelligen Betrag. Die Situation vor Ort ist entscheidend, welchen Aufwand unsere Experten haben. Auch das Thema „Kosten der Nachprüfung“ ist sehr individuell. Unser Zertifikat hat eine maximale Laufzeit von vier Jahren. Voraussetzung zum Erhalt der Zertifizierung sind regelmäßig bestandene Re-Audits.

VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW!


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