Für wen (welches) EMS-Training Sinn macht

EMS-Training – wieso überhaupt?

default-image-bigUnumstritten sind „Sinn & Zweck“ des trendigen EMS-Trainings ganz sicher nicht. So zeigen unsere beiden Experten-Interviews mit Prof. Dr. Fröhlich und Prof. Dr. Maffiuletti, wie viele offene Fragen das Thema „Ganzkörper Elektromyostimulation“ birgt. Ob Wissenschaftler oder nicht – manche hadern im Zusammenhang mit EMS-Training auch mit der ganz grundsätzlichen Frage „Wieso wollen sich die Menschen denn nicht mehr „richtig“ bewegen?“ Wer dafür gute Gründe hat bzw. EMS-Training durchaus als „richtige Bewegung“ versteht, bekommt von Prof. Fröhlich „grünes Licht“, um es mit dem Elektro-Training aufzunehmen: „Unter einer sachgerechten Anleitung und trainingsmethodisch fundierten Unterweisung ist das EMS-Training im Hinblick auf das Risiko-Nutzen-Verhältnis ein überaus lohnenswertes Unterfangen.“

Für wen und welche Trainingsziele ist EMS sinnvoll?

Die Elektromyostimulation (EMS) kommt seit fast einem halben Jahrhundert in der Rehabilitation und im Spitzensport zum Einsatz. Vor allem in Deutschland wurde daraus das Ganzkörper-EMS-Training entwickelt, mit dem unterschiedliche Gesundheits-, Fitness- und Bodyformingziele verfolgt werden können. Vom Cardio-EMS-Training, über Gewichtsreduktion bis hin zur Regeneration: Während Elektromyostimulation lange vor allem als „Krafttrainingsersatz“ diente, werden heute mit statischen und dynamischen EMS-Übungen vielfältige Trainingserfolge erzielt. Daher bauen inzwischen sowohl weit mehr Hochleistungs-AthletInnen als auch eine wachsende Anzahl an Freizeit-SportlerInnen auf Elektromuskelstimulation. Vor allem Menschen mit „Zeitnot“ sowie alle, die ihre Gelenke schonen müssen, kommen dabei auf ihre Kosten.

Wer sollte auf EMS-Training verzichten?

© Alexandra Bucurescu / pixelio.de
© Alexandra Bucurescu / pixelio.de
Der TÜV Rheinland führt in seinen Arbeitspapieren für EMS-Einrichtungen – neben der Schwangerschaft – knapp zwei Dutzend Erkrankungen als Kontraindikationen auf, bei denen das EMS-Training nicht bzw. nur nach ärztlicher Freigabe durchgeführt werden kann. In den Leitlinien zur optimierten Anwendung von Ganz-Körper-EMS wird außerdem dazu geraten, „das Ganzkörper EMS-Training nur in guter körperlicher Verfassung und ohne Schmerzen durchzuführen“. Im Vorfeld des Trainings solle daher auf Alkohol, Drogen, Stimulanzien/Muskel-Relaxantienten und erschöpfende Belastung verzichtet werden. Bei fiebrigen Erkrankungen sei von einem Training komplett abzusehen.

Für wen eignen sich EMS-Studio, -Anzug oder -Heimgerät?

Die Hygiene-Auflagen, die der TÜV Rheinland bei der Zertifizierung von EMS-Einrichtungen zugrundelegt, sind hoch. Dennoch ist für viele die Vorstellung unappetitlich, in einen EMS-Trainingsanzug zu steigen, der vorher bereits von zahlreichen anderen Studio-Mitgliedern genutzt wurde. In diesem Fall kann die Anschaffung eines eigenen Anzugs Sinn machen. Wer eh „schon dabei“ ist, fragt sich nicht selten als nächstes, wieso nicht gleich studio-unabhängig trainieren. Tatsächlich gibt es inzwischen zahlreiche mobile EMS-Geräte und kabellose EMS-Anzüge, die ein komfortables Heimtraining ermöglichen. Für EMS-Trainierende mit entsprechender Ausbildung und fachlichem Know-how ist das „autonome“ EMS-Workout daher eine realistische Alternative. Alle anderen sollten jedoch die in den Leitlinien zur optimierten Anwendung von Ganz-Körper-EMS formulierten Empfehlungen gut abwägen, bevor sie eine entsprechende Anschaffung tätigen und gesundheitliche Risiken eingehen.

EMS-Training: Nur für Reiche?

 © Fionn Große  / pixelio.de
© Fionn Große / pixelio.de
Böse Zungen behaupten, EMS-Training trage in jedem Fall dazu bei, dass man den Gürtel enger schnalle: Während laut statista-Umfrage zu den gezahlten Mitgliedsbeiträgen in deutschen Fitnessstudios 2016 nur 22% der Befragten monatlich 50,- EUR und mehr zahlten, liegen die Beiträge in EMS-Studio grundsätzlich nicht unter 50,- EUR. Der DSSV Sachverständige Thomas Kämmerling geht aktuell sogar von durchschnittlich mehr als 100,- EUR Beitrag im Monat aus. Fakt ist, dass zahlreiche Anbieter in renommierten EMS-Studio-Börsen 19,- EUR für ein 20minütiges Workout veranschlagen. Der Vertrag hängt dann – anders als in herkömmlichen Gyms – nicht primär von der Laufzeit, sondern von der Trainingsfrequenz ab. Eine kostengünstigere Option bietet sich für alle, die EMS als Komplementär-Training sehen. In einigen klassischen Gyms kann EMS-Training mittlerweile als Add-On dazu gebucht werden. Doch bevor es überhaupt an die Vertrags- und Preisfragen geht, sollte in jedem Fall ein – oft kostenfreies – EMS-Probe-Workout oder mehrmalige EMS-Trainingseinheiten (z. B. bei einer Groupon-Aktion) in Anspruch genommen werden. Dabei zeigt sich schnell, inwiefern sich die eine oder andere Mitgliedschaft (überhaupt) „lohnt“.

Was ist bei der Wahl des EMS-Studios zu bedenken?

Dass hochpreisige Anbieter nicht per se besser sind, sollte selbstverständlich sein. Neben wichtiger Hygiene- und Sicherheitsaspekte, die beim EMS-Probetraining oft schwer zu beurteilen sind, steht und fällt die Studio-Qualität mit der fachlichen Kompetenz und dem Engagement der TrainerInnen. Eine TÜV-Zertifizierung des EMS-Studios kann darüber Aufschluss geben. Da sie aber noch nicht so weit verbreitet ist, zählt vor allem der eigene Eindruck von der Achtsamkeit beim Erstgespräch (samt Anamnese und Ausschluss gesundheitlicher Risiken), über die Angemessenheit des Coachings während des Workouts bis hin zur aufmerksamen Betreuung danach. Ebenso aufschlussreich sind die fachliche Qualifikation der Trainer/innen und der Betreuungsschlüssel (1:1/1:2?). Und last not least: Eine Super-Ausbildung, jahrzehntelange Erfahrung und Top-Engagiertheit der TrainerInnen nützen wenig, wenn das Personal nebenbei noch den gesamten Studio-Betrieb schmeißen muss. Also unbedingt auch im Blick behalten, ob hier „am falschen Ende gespart“ wird.

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